TAT – Trainee-Alumni-Treffen 2016: Wertschätzend und Wertvoll

Junge Akteure der Landwirtschaftsbranche im gegenseitigen Austausch

Was in der Öffentlichkeit eher selten gelingt, scheint im kleinen Rahmen doch möglich zu sein: Ein offener und konstruktiver Austausch zwischen Vertretern der konventionellen und der biologischen Wirtschaftsweise. Dieser Eindruck entstand jedenfalls, als die aktuellen und ehemaligen Trainees des Traineeprogramm Ökolandbau am 21. Oktober 2016 in Fulda auf junge Kollegen aus dem vermeintlich „anderen“ Lager trafen.

Öko trifft konventionell

Zum Abschluss ihrer einjährigen Ausbildung trafen sich die Ökolandbau-Trainees mit jungen Vertretern der konventionellen Landwirtschaft im Morgensternhaus in Fulda zur Dialogveranstaltung „Landbegegnungen“.

Neben den Ökotrainees nahmen Junglandwirte aus dem Großraum Fulda, Vertreter des Bauernverbands und Teilnehmer des aktuellen Traineeprogramms der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V.) wie auch des Top Kurses der Andreas Hermes Akademie teil.

Brücken bauen statt Gräben ziehen

Leitgedanke des Workshops war der Gedanken -und Meinungsaustausch über die Zukunft der Landwirtschaft. Dabei ging es nicht um die übliche Diskussion, ob nun die biologische oder die konventionelle Wirtschaftsweise die Bessere sei, sondern um generelle Herausforderungen der Land- und Ernährungswirtschaft.

Als Diskussionsgrundlage und erster Stein zum „Brückenbau“ zwischen konventioneller und ökologischer Wirtschaftsweise diente die Zeitschrift „Landworte“, die aus einem Projekt des aktuellen Jahrgangs der Öko-Trainees hervorgegangen war. Im Zuge des Projekts hatten die Ökotrainees junge, konventionell wirtschaftende Betriebsleiter zu ihren Vorstellungen über die Zukunft der Landwirtschaft befragt und ihre Ergebnisse in der Zeitung „Landworte“ zusammengefasst.

Ein weiterer Baustein konnte nun mit „Landbegegnungen“ hinzugefügt werden. Natürlich gab es auch hier Fragen nach dem Warum und Wieso und nach den Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen und natürlich auch Vorurteile, die allerdings mehr oder weniger schnell aus dem Weg geräumt werden konnten.

Von -und miteinander lernen

Im Rahmen des Workshops trugen die Teilnehmer ihre Ansichten über die Situation der Land- und Lebensmittelwirtschaft zusammen, diskutierten über Chancen, Herausforderungen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.Im gemeinsamen Austausch wurde schnell klar, dass abgesehen von der Art und Weise wie Landwirtschaft betrieben wird, noch ganz andere brandaktuelle Fragestellungen auf dem Tisch liegen, die alle betreffen – so z.B. im Bereich Regionalität, Naturschutz und Landwirtschaft, Wertschätzung von Lebensmitteln oder Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

Die Gesprächsinhalte drehten sich dabei u.a. um die Notwendigkeit der Bildungsarbeit (sowohl in der Schul- als auch in der Erwachsenenbildung), um den Bezug zur Landwirtschaft (wieder)herzustellen. Aber auch gemeinsame Lehrangebote für Menschen, die die konventionelle und ökologische Branche mitgestalten, werden als wichtig erachtet, auch um von- und miteinander zu lernen.

Die Grüne Woche oder BioFach sollten als Rahmen genutzt werden, innerhalb dessen sich die Vertreter der unterschiedlichen Landwirtschaftsformen austauschen können. Außerdem kam der Wunsch nach einer öffentlichen Plattform für junge Akteure der Landwirtschaft auf.

Unterschiede zwischen den Wirtschaftsweisen und auch unterschiedliche Lösungsansätze sind aus Sicht der jungen Menschen für die Weiterentwicklung nötig. Sie plädieren für Offenheit und wechselseitige Akzeptanz. Dies sind die Voraussetzungen für ein Aufeinanderzugehen, für ein Voneinanderlernen, und gemeinsam an Best Practices zu arbeiten.

Eine Brücke baut man von zwei Seiten

Am Ende der Veranstaltung war der Grundtenor durchweg positiv. Der Großteil der Teilnehmer war beeindruckt davon, wie konstruktiv, wertfrei und v.a. wertvoll sich dieser Austausch zwischen den jungen Akteuren der Landwirtschaft gestaltet hat. Es wurden Meinungen überdacht, Horizonte erweitert, Vorbehalte über Bord geworfen sowie Inspirationen gesammelt. Neben der fachlichen Plattform gab es außerdem noch Zeit und Raum für Gespräche auf persönlicher Ebene. Vielfach wurde der Wunsch nach einer Fortsetzung geäußert.

Der ersehnte Brückenbau von beiden Seiten ist mit dieser Landbegegnung ein ganzes Stück vorwärts gekommen.

Das Traineeprogramm wird im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt. Das Bundesprogramm ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Die Geschäftsstelle des BÖLN befindet sich in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). www.bundesprogramm.de